Am 12. September ist die Saison auf der Kaunergrathütte zu Ende gegangen. Wir haben bei unserem Hüttenwirtspaar Martina und Elmar nachgefragt, was sie diesen Sommer alles erlebt haben.
Das Wichtigste zuerst: Wie geht es Steinbock Freddy?
Frederik geht es gut und er war auch heuer wieder fast täglich da. Mittlerweile hat er ordentlich Verstärkung bekommen: andere Steinböcke, Steingeißen und vor allem jede Menge junge Steinböcke. So viele Kitze wie heuer hatten wir rund um die Hütte noch nie. Viele davon konnten wir von der Terrasse aus beobachten, andere standen direkt hinter der Hütte. Für unsere Gäste natürlich immer wieder ein Highlight – und für uns inzwischen fast schon Teil des Hüttenalltags.
In diesem Hitzesommer machte der Wassermangel auf den AV-Hütten überregional Schlagzeilen. Wie erging es euch auf der Kaunergrathütte?
Vom Wassermangel, wie er bei vielen Hütten zum Thema wurde, waren wir zum Glück nicht direkt betroffen. Unser Thema ist nach wie vor der Wasserspeicher. Dort haben wir noch immer ein Leck. Es gab bereits im letzten Jahr zwei mögliche Stellen. Eine davon konnte behoben werden, leider war damit das Problem noch nicht ganz erledigt. Jetzt muss die zweite Stelle begutachtet und kann hoffentlich ebenfalls behoben werden.
Wasser ist hier oben ohnehin eine kostbare Ressource. Auf 2.817 Metern ist nichts selbstverständlich und man geht automatisch bewusster damit um.
Auch Murenabgänge sorgten für Schlagzeilen – erst Ende Juni an der Kaunertaler Gletscherstraße, kurz darauf, als die Landesstraße bei St. Leonhard verlegt und das hintere Pitztal abgeschnitten wurde. Wie habt ihr die Situation erlebt?
Wir haben die Bilder und Videos aus dem Tal mitbekommen und auch hier oben hat es ordentlich gerumpelt. Gott sei Dank ist niemand zu Schaden gekommen und letztlich ist alles glimpflich ausgegangen.
Ganz unverschont sind wir allerdings nicht geblieben.
Gerade zu Beginn der Saison hat uns die Situation in St. Leonhard beschäftigt. Die Straße war teilweise zerstört und damit stand auch unsere komplette Lebensmitteleindeckung für die Hüttenöffnung vor einem Problem.
Natürlich war die Situation auch deshalb belastend, weil unsere Familie im Tal lebt. Wenn man selbst oben sitzt und weiß, dass unten gerade solche Dinge passieren, macht man sich schon Gedanken.
Wir mussten mit großen Umwegen arbeiten und die Lebensmittel schließlich auf die Hütte fliegen lassen. Zum Glück konnten wir eine Lösung finden und wie geplant öffnen.
Gab es weitere außergewöhnliche Herausforderungen?
Die Hitze. Es gab Tage, an denen wir auf der Terrasse fast 25 Grad hatten. Auf dieser Höhe ist das schon außergewöhnlich. Für die Gäste natürlich herrlich, für den Hüttenalltag bei voller Terrasse und laufender Küche dann doch eine Herausforderung.
Die Kaunergrathütte war heuer ziemlich präsent in den (sozialen) Medien. Der Fotograf Clemens Bartl (backyard.production) war bei euch, die Ultra-Trail-Runnerin Magdalena Katus (youareanadventurestory), das Magazin Bergwelten hatte die Watzespitze im Heft – habt Ihr davon viel mitbekommen oder waren das „ganz normale“ Gäste?
Darüber haben wir uns wirklich sehr gefreut! Besonders über den Beitrag in den Bergwelten zur Watzespitze. Das Team rund um Simon Schöpf war bereits im vergangenen Jahr bei uns und daraus ist ein richtig toller, wertschätzender Artikel entstanden.
Clemens Bartl war im Zuge der Serie „From Pitztal with Love“ bei uns und hat uns als Familie porträtiert. Dabei ging es um das Leben und Arbeiten und um die Versorgung hier oben, aber auch um Genuss und Regionalität. Der Beitrag wurde über die Social-Media-Kanäle ausgespielt.
Und dann war da noch Magdalena Katus, die im Zuge des Pitz Alpine Glacier Trails bei uns eingekehrt ist. Eine wirklich nette Begegnung.
Trailrunning ist im Pitztal mittlerweile sehr präsent und die Kaunergrathütte ist für die Läufer der 90- und 105-Kilometer-Strecke jedes Jahr eine Labstation und ein beliebtes Trainings- und Einkehrziel.
Wir freuen uns über solche Begegnungen und Kontakte sehr. Es ist schön, wenn Interesse daran besteht, was hinter der Hütte und unserem Alltag steckt.
Welche Begegnungen sind euch sonst besonders im Gedächtnis geblieben?
Da gibt es sehr viele. Es waren wieder unglaublich viele nette Menschen bei uns und gerade die Gespräche mit unseren Gästen bleiben oft hängen.
Natürlich gab es auch weniger schöne Begegnungen. Ein Thema, das heuer noch präsenter war, sind kurzfristige Stornierungen. Gerade bei den guten Wetterbedingungen ist es schade, wenn Betten leer bleiben. Das Essen ist vorbereitet, die Lebensmittel sind eingekauft und das Bett ist freigehalten – und am Ende bleibt alles stehen.
Auch die Erwartungen werden teilweise immer größer. Wir Hüttenwirte stehen dabei schnell in der Schusslinie, teilweise wird sogar mit Bewertungen Druck gemacht. Das ist eine Entwicklung, die wir nicht besonders schön finden. Wir geben unser Bestes, aber wir sind eben auf 2.817 Metern. Hier gelten andere Voraussetzungen. Croissants zum Frühstück sind da nur ein kleines Beispiel dafür, wie selbstverständlich Dinge manchmal erwartet werden, die das auf einer Berghütte eben nicht sind.
Am 12. September hat der letzte Gast die Hütte verlassen. Was steht danach noch an Arbeiten für euch an?
Dann ist die Saison für uns noch lange nicht vorbei. Die Hütte muss winterfest gemacht werden und oben stehen noch einige Arbeiten an. Im Tal geht es ebenfalls weiter: Nacharbeiten, Termine mit Lieferanten und Partnern, Steuerberater, Gespräche mit der Sektion, Nachbesprechung und die Auswertung der Saison.
Wir schauen, was gut funktioniert hat, wo es Probleme gab und was wir für die kommende Saison angehen müssen. Und während wir die heurige Saison noch abschließen, beginnt eigentlich schon wieder die Planung für die nächste.
Wenn wir auf diesen Sommer zurückblicken, sind wir vor allem dankbar. Für die Zeit hier oben, für die vielen Begegnungen und dafür, dass wir trotz einiger Herausforderungen wieder einen guten Sommer erleben durften.
Ganz besonders dankbar sind wir für unser Team. Heuer war wirklich viel Einsatz gefragt und unser Team hat einen hervorragenden Job gemacht. Ebenso für unsere Familie im Tal, die das Ganze mit uns trägt und vieles auffängt, was man als Gast gar nicht sieht.
Und natürlich gilt unser Dank auch der Sektion – dem Vorstand, der heuer selbst bei uns auf der Hütte war, und ganz besonders unserem Hüttenwart und unserem Wegewart, die uns immer mit Rat und Tat zur Seite stehen. Das wissen wir wirklich sehr zu schätzen. Ohne diesen Rückhalt wäre das alles nicht möglich.
An dieser Stelle sagen wir ein herzliches Dankeschön an die Gäste und freuen uns auf ein Wiedersehen in 2027.
Interview: Oliver Heil mit Martina und Elmar Rimml-Dobler Bilder: Familie Rimml-Dobler; Monica Heuser; TVB Pitztal/Philipp Reiter, Severin Wegener; Oliver Heil
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